Die Schuljahre 1946/47 und 1947/48

Dieser Auszug aus der Chronik schließt an den Bericht über das Schuljahr 1945/46 an und ist bis auf wenige Stellen original und ungekürzt wiedergegeben. Der Verfasser ist wiederum Herr Rektor und Schulrat Joseph Hörwick.

Aus der Chronik zum Schuljahr 1946/47:

1. Schulbeginn am 1. September 1946
Die Knabenschule wird als Volksschule I, die Mädchenschule als Volksschule II geführt.
Leitung der Volksschule I Rektor Josef Hörwick
Leitung der Volksschule II Rektorin Luise Aumüller
Am 1. November 1946 Ernennung von Rektor und Kommissarischem Schulrat Hörwick zum planmäßigen Schulrat. (Aufrichtige, herzliche Gratulationsfeier!)
Am 1. Februar 1947 wird Leiter der Volksschule I und erster Sachwalter Rektor Hans Sperl.

2. Beginn der „Amerikanischen Schülerspeisung“ im Herbst 1946, zunächst für 25% der Schulkinder, dann für alle. Ein großer Segen für die sehr unterernährten Kinder, die zum Teil ohne Frühstück zur Schule gekommen waren, ohne Pausebrot, im besten Fall mit kalten, gekochten Kartoffeln versehen (wöchentliche Brotzuteilung damals 1 kg!).
Die Lehrer mussten mit hungrigen Augen zuschauen, denn es war ihnen streng verboten mitzuspeisen.

3. Lehrerkollegium und Klassenbesetzung 1946/47
1aKn. Graf Klara 51 Schüler
1bKn. Graf Klara 51 Schüler
2aKn. Brem Magdalena 54 Schüler
2g Brem Magdalena 51 Schüler
3aKn. Paula Karoline 51 Schüler
4aKn. Brandl Hildegard 45 Schüler
4bKn. Brandl Hildegard 44 Schüler
5aKn. Graf Max 54 Schüler
5bKn. Graf Max 56 Schüler
6 Kn. Köhlerschmidt Hans 47 Schüler
6g Rohland Irene 49 Schüler
7aKn. Nusshart Franz 39 Schüler
7bKn. Nusshart Franz 29 Schüler
8 Kn. Sperl Hans 52 Schüler

4. Instandsetzungsarbeiten am Schulgebäude
Nachfolgend der Leistungsbericht an das Stadtschulamt vom 20.12.1946 von Rektor Sperl:
1. Dachdeckerarbeiten: Beseitigung vieler Einschlagstellen im Blech- und Ziegeldach, Neudecken eines Mauervorsprungs, behelfsmäßige Instandsetzung der Dachrinne.
Durch diese Arbeiten wurde weiteren Zerstörungen im Hause zunächst Einhalt geboten.
2. Maurerarbeiten: Neugewinnung eines Schulzimmers, das infolge der Dachschäden unbenützbar geworden war. Ausbessern von Mauer-schäden.
3. Schreiner- und Zimmermannsarbeiten: Abdichtung der Fenster-öffnungen im Turnsaal des Erdgeschosses. Erneuern von Fenster-rahmen in verschiedenen Stockwerken.
4. Glaserarbeiten: Einsetzen sämtlicher fehlender Außenscheiben bis auf Turnsaal und ein Klasszimmer.
5. Heizungsmonteure: Wiedereinsetzen von ca. 12 Meter Rohr, Anbringen eines Heizkörpers.
6. Malerarbeiten: verschiedene Ausbesserungen und Ausmalen von neun Schulzimmern.
Alle Arbeiten – die Reparatur an der Heizung ausgenommen – mussten nahezu ohne die Unterstützung des Bauamtes durchgeführt werden.

5. Schulbetrieb
Die meisten Lehrkräfte mussten zwei Klassen mit über 100 Kindern betreuen. Während der langen Kälteperiode dieses zweiten Notwinters musste sich der Unterricht auf tägliche einstündige Appelle pro Klasse beschränken. Klosette waren eingefroren, Wasser musste im Keller geholt werden. Drei Lehrkräfte erlitten Erfrierungen an Gliedmaßen. Ausgangs des Winters gab es dann einen Dauerbrenner und einen Kanonenofen mit Rohr ins Freie. Dabei die misslichen Zeitverhältnisse für die Lehrkräfte wie im Vorjahr: Mangel an Nahrung und warmer Kleidung, missliche Wohnverhältnisse, weite Schulwege mit schlechten Verkehrsverbindungen, schlechter Gesundheitszustand u.a.

6. Berufsidealismus, wie nachstehend aufgezeigt ist.
a) Verteilung der täglich zweimal gelieferten Speisung an die Kinder.
b) Teilnahme an heimatkundlichen Führungen im Osten Münchens durch Schulrat Hörwick.
c) Hospitieren des Lehrernachwuchses an der Schule.

Aus der Chronik zum Schuljahr 1947/48:

1. Schulbeginn am 1. September 1947
In diesem Schuljahr wurden zunächst in 14 Klassen über 600 Kinder von neun Lehrkräften unterrichtet.
1a Brem Magdalena 45 Schüler
1b Brem Magdalena 44 Schüler
2a Graf Klara 50 Schüler
2b Graf Klara 48 Schüler
3a Brandl Hildegard 52 Schüler
3g Brandl Hildegard 52 Schüler
4a Paula Karoline 43 Schüler
5a Neumaier Josef 42 Schüler
5b Lang Katharina 43 Schüler
6a Graf Max 48 Schüler
6b Dr. Schiller Ludwig 48 Schüler
7a Sperl Hans 44 Schüler
7/8 Köhlerschmidt Hans 40 Schüler
8 Maier Sebastian 43 Schüler
Der verdiente und beliebte Kollege Franz Paul Nußhart kam an die Versaillerschule. Schulhelferin Irene Rohland wieder zur Ausbildung zurück. Im Laufe des Schuljahres kamen: Dr. Ludwig Schiller und Oberlehrer Josef Neumaier.
2. Besondere Ereignisse in diesem Schuljahr
a) Feier des 50jährigen Dienstjubiläums von Schulrat Josef Hörwick am 14. Oktober 1947, als gemeinsame Feier des ganzen Schulrats-bezirkes München VII im oberen Turnsaal unseres Schulhauses begangen. Mit besonderer Freude nahmen alle an der gelungenen Feier zur aufrichtigen Beglückwünschung des Jubilars teil.
b) Im Juli 1948 brachte die Schule die herzlichsten Glückwünsche unserem Stadtpfarrer von Berg am Laim, H. H. Geistl. Rat Dr. Carl Graf zum 40jährigen Priesterjubiläum dar.
c) Im Sommer 1948 gab es eine Ausstellung „Bayerische Heimatschau“ im oberen Turnsaal der Schule von Mai bis Oktober, veranstaltet vom Bayerischen Lehrerverein. Die Heimatlandschaft wurde in geologischen, wirtschaftlichen, botanischen, kunsthistorischen und geschichtlichen Querschnitten beleuchtet. Die Schau fand höchste Anerkennung, auch in Fachkreisen. Viele Besucher – auch Vertreter von Ministerien und Hochschulen! Diese großartige Ausstellung war das besondere und einmalige Verdienst Schulrat Hörwicks. Herr Pumpe, Vorsitzender des Kneipp-Vereins, gab dazu eine interessante Heilpflanzen-Schau.

3. Weitere Instandsetzungsarbeiten am Schulgebäude
In diesem Schuljahr wurde das ganze Haus getüncht und ca. 250 äußere Fensterscheiben eingesetzt.

4. Einsatz der Lehrkräfte
Speisungsverteilung und Ausbildung der Junglehrer wie in den Vorjahren. Kartoffelkäfersuchen durch Klassen, sowie fleißiger Arbeitseinsatz der 3. bis 8. Klassen mit Lehrkräften auf den Gütern in Gronsdorf von 1947 bis Juli 1948.

Diesen Teil der Schulchronik können Sie hier herunterladen.

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