Dieser Bericht befasst sich mit der Wiedereröffnung der Volksschule Berg am Laim nach einjähriger Pause am 17.September 1945 und wurde geschrieben von Herrn Rektor Joseph Hörwick, der ab Oktober 1945 außerdem das Amt des kommissarischen Schulrats des Bezirks München VII innehatte. Der Text ist bis auf wenige Stellen original und ungekürzt wiedergegeben.

Aus der Chronik:

Während eines langen, schicksalsschweren Jahres hatte unser Schulhaus schulfremden Zwecken dienen müssen: mehrere Einsätze von Schreinern und Glasern, die zu Reparaturen nach München befohlen waren, 168 englische Gefangene, 250 bis 300 kasernierte Volkssturmmänner, eine Genesungskompanie von 200 Senegalesen und drei Abteilungen amerikanischer Besatzungstruppen hatte es vom Herbst 1944 bis Juli 1945 zu beherbergen.

Schäden mannigfacher Art haben diese Belegschaften zurückgelassen. Am verheerendsten aber waren für unsere Schule die Folgen der Plünderungen um Pfingsten 1945 durch einen französischen Kraftfahrertrupp und durch die Senegalesen, denen sich ein Teil der Münchner Bevölkerung willig anschloss:
Sämtliche Schultüren, sämtliche Schränke und Tische, Schreibtische in den Amtszimmern, die eingemauerte Stahlkasse im Zimmer des 1. Sachwalters und Rektors I waren erbrochen und demoliert.
Im Vorraum des unteren Turnsaals, wo das provisorische Lehrmittelzimmer eingerichtet war, wurden die sehr wertvollen Lehrmittel teilweise mutwillig zerstört und in wüstem Chaos hinterlassen. Eine weitere Einquartierung überdeckte das Ganze mit Waffen, Munition, militärischer Bekleidung und Einrichtungsstücken, mit Nahrungsmitteln und dem gesamten Unrat einer Genesungstruppe, die sich acht Wochen im Haus einquartiert hatte.

Am 6. Juni 1945 schrieb Herr Rektor Hörwick an das Stadtschulamt München eine Mitteilung
„Betr. Plünderung.
Bei der Pfingstsamstag, -sonntag und –montag erfolgten Demolierung und Plünderung unserer Schule wurde die Wandkasse erbrochen und gestohlen:
1. Sämtliche Dienststempel.
2. Sämtliche Schlüssel.
3. Ein Geldbetrag von schätzungsweise 100 – 150 RM für abgegebene Schulbücher etc.
4. Es wurden außerdem sämtliche Büros, Lehrmittelzimmer, die Bücherei und die Schulzimmer sowie alle Pulte erbrochen und ausgeplündert. „

Es bedurfte einer unermüdlichen Arbeit von zwei Monaten, bis Herr Rektor Hörwick und Herr Konrektor Poilvache aus dem Durcheinander die zerstreuten Akten, sowie schulisches und persönliches Eigentum der Lehrkräfte ausgesucht hatten, damit endlich die Schulzimmer gesäubert werden konnten. Es stellten sich mehrere Lehrerinnen zur Aufräumung und Säuberung zur Verfügung. Der Schulhausoffiziant, Herr Herzing, nahm sich mit zwei Helfern und Buben der 8. Klasse schließlich um die Einrichtung der ersten sechs Klasszimmer an. Durch ihn waren auch die vielen zertrümmerten Fensterscheiben notdürftig durch Pappe und Rollglas ersetzt worden.

Bei der Schuleinschreibung am 3. September 1945 hatten sich rund 1300 Kinder (Knaben und Mädchen) für 28 Klassen gemeldet. Herr Rektor Hörwick arbeitete mit den nach Sichtung der Fragebögen durch die Militärregierung vorläufig der Schule verbliebenen zehn Lehrkräften (Aumüller Luise, Bauer Hilda, Bauer Rosa, Baur Anna, Dicker Mathilde, Eppenauer Berta, Nußhart Franz Paul, Paula Karolina, Singldinger Katharina und Stern Gabriele) eine Verteilung der 28 Klassen auf drei Schultage und die verfügbaren Schulzimmer aus. Von dem Unterrichtsverteilungsplan wurden Eltern und Kinder durch einen Anschlag vor dem Schulhause unterrichtet. An Lehrern kamen noch dazu Eswein Josefine, Graf Max und Brem Magdalena.

Der Tag der Schuleröffnung: Am Morgen des 17. September 1945 kamen die Kinder der bestellten Klassen in die Schule. Um 8 Uhr begann in den geschmückten Klasszimmern ein frohes Arbeiten. Gegen 10 Uhr betraten Herr Stadtschulrat Dr. A. Fingerle und Herr Oberschulrat Dr. Mahir mit dem Vertreter der amerikanischen Militärregierung Captain Templeton und einem Berichterstatter das Schulhaus. Anwesend waren an Gästen ferner H. Herr Stadtpfarrer Dr. Graf und Herr ev. Pfarrer Egg. Einer erhebenden Feierstunde schloss sich ein Besuch der Gäste in den anwesenden Klassen an.

Eröffnung der übrigen Klassen: Am Dienstag, den 18. September 1945 kamen die Kinder der acht 1. Klassen mit ihren Müttern zur Schule. Am Mittwoch, den 19. September 1945 folgten noch die Knaben der 3. und 7. Klassen und die Mädchen der 3., 5., 6., 7. und 8. Klassen.

Anfangsgottesdienst: Am Samstag, den 22. September 1945 fanden sich die 4. bis 8. Klassen in der St. Michaelskirche Berg am Laim zum feierlichen Anfangsgottesdienst zusammen.

Lehrerkollegium im Schuljahr 1945/46
1. Hörwick Joseph, Rektor, ab Oktober 1945 außerdem kommissarischer Schulrat des Bezirkes München VII und Fortbildungsleiter
2. Nusshart Franz Paul, Oberlehrer
3. Aumüller Luise, Hauptlehrerin
4. Bauer Hilda, Hauptlehrerin
5. Baur Anna, Oberlehrerin
6. Brem Magdalena, Lehrerin
7. Eppenauer Berta, Hauptlehrerin
8. Eswein Josefine, Lehrerin
9. Paula Karolina, Hauptlehrerin
10. Stern Gabriele, Lehrerin
11. Dicker Mathilde, Handarbeitslehrerin
12. Singldinger Katharina, Handarbeitshauptlehrerin
13. Geistlicher Rat Dr. Carl Graf
14. Kaplan Johann Forster
15. Kaplan Pater Sales Klug
16. ev. Pfarrer Eugen Egg

Der Amtsraum des Schulrats des Bezirks VII wurde an die Schule an der Berg-am-Laim-Straße, 2. Stock, Zimmer 5 verlegt.

Die Arbeitsbedingungen im ersten Schuljahr nach dem 2. Weltkriege waren sehr schlecht: zu wenig genehmigte Lehrkräfte, jede Lehrkraft zwei bis drei Klassen, Kurzunterricht für die Kinder, im Winter keine Heizung, Wohnungsnot und Verkehrsschwierigkeiten für die Lehrkräfte, Nahrungs- und Kleidungssorgen bei Lehrkräften und Kindern.

Diesen Teil der Schulchronik können Sie hier herunterladen.

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